Freitag 28. Juli 2017

Internationale Mobbing-Tagung in Aachen

Karl-Heinz Hellinger und Barbara Hillgartner vom Mobbingtelefon-Team der Betriebsseelsorge OÖ nahmen an der internationalen Fachtagung "Mobbing - Folter am Arbeitsplatz" im Nell-Breuning-Haus in Aachen teil.

 

Internationale Mobbing-Tagung in Aachen. © mensch & arbeit
Internationale Mobbing-Tagung in Aachen. © mensch & arbeit

 

Laut europäischer Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz leiden zwischen 5 und 20 Prozent der ArbeitnehmerInnen in Europa unter Mobbing am Arbeitsplatz. Von 2. bis 4. November 2011 fand in Aachen die Tagung „Mobbing – Folter am Arbeitsplatz. Eine europäische Herausforderung“ statt, die vom Nell-Breuning-Haus in Kooperation mit dem Bistum Aachen, dem Christlichen Gewerkschaftsbund Luxemburg, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, Region NRW Süd-West, Confédération des Syndicats Chrétiens Verviers-Ostbelgien und der Betriebsseelsorge Oberösterreich veranstaltet wurde und zum Ziel hatte, das Thema Mobbing am Arbeitsplatz in der Europäischen Union stärker in den Mittelpunkt zu rücken. 

 

In Referaten, Foren und Diskussionen bestand für ExpertInnen und BeraterInnen aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Türkei und Rumänien die Möglichkeit sich auszutauschen.    

 

Nach Begrüßung durch Leo Jansen vom Nell-Breuning-Haus und Grußworte von Pfarrer Rolf-Peter Cremer (Bistum Aachen) und Silviu Ispas (Europäisches Zentrum für Arbeitnehmerfragen) machte Dr. Marie-France Hirigoyen, Psychoanalytikerin und Autorin den Anfang dazu.

 

In ihrem Eingangsreferat ging sie zunächst auf den Stress am Arbeitsplatz ein, der in die Erschöpfung führen und schließlich Auslöser von Mobbing sein kann. 4 von 10 MitarbeiterInnen leiden unter Stress. Mengenmäßige Überlastung, fehlende Mittel um gute Arbeit zu leisten, alleine auf weiter Flur zu sein, nennt Hirigoyen als Faktoren; aber auch Mangel an Anerkennung und Solidarität. Stress kann unsere Leistungsfähigkeit anspornen, im Mobbing geht es aber darum, jemanden, der gut arbeitet unter Druck zu setzen, damit er Fehler macht.


Im Unterschied zum Konflikt, der einen Austausch ermöglicht, einen Dialog und die Lösung des Problems anvisiert, hat Mobbing zum Ziel, jeglichen Austausch zu vermeiden.

 

Für das Unbehagen und Leiden am Arbeitsplatz sieht Hirigoyen drei Gründe: (1) Eine narzistische Gesellschaft, die ihr Augenmerk auf Leistung und Performance legt und Konflikte verdrängt; (2) Lebensrythmus: laufen. Eine sich verändernde Arbeitswelt mit ständig neuen Zielen, neuen Verfahren und neuer Software. (3) Und Menschen, die nicht begleitet werden und ständig das Gefühl haben, immer auf der Höhe sein zu müssen und denen die Sensibilität für das Leiden der anderen abhanden gekommen ist. Hirigoyen plädiert für eine Wiedereinführung der Menschlichkeit, dafür Konflikte zuzulassen und anzuerkennen, dass man nicht immer auf voller Höhe sein kann. Wichtig ist, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Mitarbeiter im Umgang mit Stress und Konflikte zu sensibilisieren, ihr Potential zu entwickeln und einen mit-entscheidenden Führungsstil zu fördern.


Frankreich und Belgien haben Anti-Mobbing-Gesetze. Sie sind in vielen Dingen aber unzulänglich. Wie soll man eine abwertende Haltung oder einen verächtlichen Blick beweisen? Betroffenen rät Hirigoyen deshalb, eine solide Akte zu erstellen, die für den Mobber gefährlich werden kann.

 

Am zweiten Tag sprach Dr. Josef Schwickerath, Psychologischer Leiter der Klinik Berus in „Mobbing und Therapie – der Mensch als Opfer“ die Beobachtung an, dass bei Patienten mit Mobbingerfahrungen emotionale Labilität, Ablehnungssensibilität und Ungerechtigkeitsgefühlt erhöht und das Selbstvertrauen verringert sind und es im therapeutischen Prozess darum gehe, die Situation zu verstehen, Distanz zu bekommen und wieder Entscheidungen treffen zu lernen, wozu die Gruppe sehr hilfreich sei. Als Wirkfaktoren einer erfolgreichen Therapie wurden von den Klienten an erster Stelle genannt, neue Werte und Ziele festzulegen, lernen, nein zu sagen, die Erfahrung zu machen, nicht alleine zu sein und Entscheidungen zu treffen und aktiv zu werden, so Schwickerath.      

 

Am Nachmittag wurden die vorgestellten Beispiele von Anti-Mobbing-Arbeit in den Mitgliedsstaaten ausgetauscht und diskutiert.

 

Im Austausch mit Georges Bach, Mitglied des Europaparlaments und Claude Denagtergal, Europäischer Gewerkschaftsbund, zeigte sich, dass aufgrund der politischen Verhältnisse derzeit nicht zu erwarten ist, in absehbarer Zeit zu einer einheitlichen Gesetzgebung zu kommen.

 

Zum Ende der Tagung bestand Einhelligkeit darin, die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene fortzusetzen und dem Austausch in der praktischen Arbeit beim nächsten Treffen mehr Platz einzuräumen.

 

Derzeit werden die Ergebnisse der Tagung in einer gemeinsamen Erklärung zusammengefasst.


Alle Vorträge können o­nline unter www.arbeitundgesundheit.eu abgerufen werden.

 

Als Resümee: Aufwändig die Anreise, anstrengend das viele Sitzen, aber dafür interessante Begegnungen. Und zu erfahren, dass es so viele Initiativen und Mitstreiter gibt, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, hat gut getan.

 

Ein Bericht von Karl-Heinz Hellinger 

Mobbing

Schulgewalt und Mobbing

Mobbing ist kein neues Phänomen.Es ist auch in Schulen weit verbreitet, wobei es nicht verwechselt werden darf mit...

Internationale Mobbing-Tagung in Aachen. © mensch & arbeit

Internationale Mobbing-Tagung in Aachen

Karl-Heinz Hellinger und Barbara Hillgartner vom Mobbingtelefon-Team der Betriebsseelsorge OÖ nahmen an der...
Mobbingtelefon der Betriebsseelsorge OÖ
4020 Linz
Kapuzinerstraße 84
Telefon: 0732/7610-3641
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
http://www.mobbingtelefon.at/
Darstellung: